Um die Bewegungen in EUR/USD seit einem Jahr einzuordnen, macht es wenig Sinn, zu sehr darauf zu achten, was im Internet oder auf LinkedIn darüber geschrieben oder gesagt wird. Tatsächlich bewegt sich EUR/USD seit 13 Monaten in einem ziemlich engen Seitwärtskanal um einen Mittelwert bei 1,1750 EUR/USD und damit nur +/- 3%. Das ist eine Schwankungsbandbreite von weniger als der halben Volatilität des Währungspaares. Diesen Zustand geringer Schwankungen beschreibe ich generell als Rauschen oder Lärm, je nachdem wie lautstark die Meldungen dazu auf einen hereinprasseln.
Rauschen ist nicht prognostizierbar
Kleine Schwankungen vorherzusagen ist meiner bald 30-jährigen Erfahrung nach nicht sinnvoll möglich. Man kann, primär mit charttechnischen Mitteln, kurzfristige Trends erfassen, zum Preis, dieser Aufgabe fast 100% der wachen Tageszeit zu widmen. Diese Zeit und Hingabe hat man nicht im Treasury und ich habe es auch hinter mir, wenn ich dies auch ab und an – wenn ich an Fondsmanagement denke, für kurzfristige Aktionen doch auch integriere.
Zur Steuerung eines Industrie-Portfolios sollte man Rauschen ignorieren. Längere Phasen von Rauschen sollten im Gegenteil dazu dienen, die strategische Ausrichtung abzuwägen.
Gewissheiten bestehen heute in großer Klarheit
- Der USD ist im langfristigen Vergleich sehr teuer
- Die Inflation in den USA ist in den USA höher
- Die Verschuldung der USA ist historisch beispiellos
- Die Herausforderung durch China strapaziert den US-Haushalt massiv
- Der USD kam immer unter Druck wenn Rohstoffpreise zu steigen begannen und hoch waren
All diese Gewissheiten werden begleitet von immer noch immens starken Börsen, die massiv Kapital aus aller Welt anziehen. Dass dieses Kapitalsog nicht – wie früher – zu USD-Stärke führt sollte europäische Industriekapitäne eine schrille Warnung sein. „Wenn steigende Nachfrage den Preis nicht erhöht, ist was im Busch“.
Die Zweifel an den USA steigen
- Das Vertrauen in die Belastbarkeit der Beziehungen mit den USA ist erschüttert
- Der Glaube an die Unabhängigkeit der FED ist erschüttert
- Die Zinsen in den USA decken kaum die Inflation
- Die Fähigkeit und der Wille der USA, die eigenen Schulden zurückzuzahlen ist in Frage gestellt
- Die Entwicklung der US-Inflation wird kritisch gesehen
In Konsequenz werden US-Investitionen stärker noch als in der Vergangenheit gegen eine Abwertung des USD auf Portfolioniveau abgesichert
Vermögensverwalter sind unglaubliche Ignoranten, wenn es um Währungsrisiken geht, erst recht, wenn ihnen die Entwicklung lange Zeit recht gibt und der USD ein Performancebringer ist.
Wenn Vermögensverwalter beginnen, den USD als Risiko pauschal auszuschließen, indem sie USD-Positionen sichern, werden von Industrieunternehmen bislang ebenso ignorierte Translationsrisiken zum künftigen Belastungsfaktor.
Ich weiß, dass es schwer ist, Gewohnheiten aufzugeben. Angesichts der offenkundig belastenden Gemengelage halte ich Ignoranz diesen gegenüber aber für grob fahrlässig. USD-Risiken sind zu sichern, kurz- mittel-, und langfristig.




