Die Wahl Peter Magyars war so eindeutig, dass es einer Sensation gleichkommt, wenn auch noch nicht absehbar ist, wie genau sich die ungarische Politik ändern wird. Klar ist allein, dass das System Orban trotz höchster reglementierter Hindernisse zu Fall gekommen ist. Magyar kann nun mit der vollen Machtfülle des Orban-Systems Änderungen durchführen, an deren Ende womöglich die Beendigung dieses Systems stehen wird. Ob Magyar der Versuchung widerstehen kann, dies am Ende auch wirklich umzusetzen, um seine eigene Abwahl zu erleichtern, bleibt abzuwarten.
Bis auf weiteres bleibt das Momentum auf Seiten des Forint und das hat nicht allein mit dem neuen politischen Wind zu tun und dem Zugang zu EU-Mitteln, mit dem zu rechnen ist.
Ein wirkliches Ende des Krieges gegen den Iran wäre ein positiver Input
Der Kriegsbeginn vor 9 Wochen war eine Belastung für Emerging Markets, führte er doch zu einem Abverkauf von EM-Währungen, zu denen alle in dieser Ausgabe vertretenen Währungen zu zählen sind.
Schon das Ende der heißen Kampfhandlungen und die Aussicht auf Friedensverhandlungen beendeten die „USD-Stärke“ und die Börsenschwäche. Während Zloty und Krone noch leicht schwächer zum Euro stehen, hat der Forint einen deutlichen Satz nach oben gemacht, was allein auf den „Magyar-Effekt“ zurückzuführen ist. Dies hat auch damit zu tun, dass Orbans Politik Ungarn in den letzten Jahren definitiv geschwächt hat, was vermutlich der Hauptgrund für seine Abwahl war, während er bis 2022 vieles richtig gemacht hatte. Der Forint hat sich in den letzten Jahren diametral zur Krone deutlich schwächer gezeigt. Nun da eine echte Chance für eine Wende besteht, verliert der Forint sein Stigma und die zu stark ausgeprägte Schwäche recht schnell wieder. Nun muss Magyar auch liefern, was ich auch zu geschehen erwarte.
Rubel und Türkische Lira vor Herausforderungen
Russland leidet unter zu schwachem Wirtschaftswachstum, ein Befund, den nun auch Präsident Putin öffentlich eingestand. Dies ist in Kriegszeiten eher ungewöhnlich, weil die Produktion von Waffen und was rundherum dazu gehört die Wirtschaft eigentlich antreiben.
Dies bedeutet, dass die Gesamtwirtschaft in schwerer Rezession ist und ein Kriegsende dies schonungslos offenlegen würde. Es ist auch eine Belastung, dass es der Ukraine nicht nur gelingt, weitere Geländegewinne zu verhindern, sondern zunehmend auch tief in Russland strategische Ziele zu eliminieren, aber auch Energieknotenpunkte zu attackieren.
Für die Türkei ist der Krieg gegen den Iran zum einen eine Herausforderung, weil auch die TRY unter starken Abwertungsdruck geriet, der durch Verkäufe von Gold stabilisiert werden konnte. Die TRY ist ein Musterbeispiel für eine manipulierte Währung, was sich insbesondere in ihrem Verhältnis zum USD zeigt. Es macht zurzeit absolut Sinn, TRY-Receivables mit einem EUR/USD-Hedge zu versehen. Dies reduziert die Sicherungskosten markant und deckt die eigentliche Abwertungskomponente der Entwicklung des USD. Die TRY wertet aktuell gesteuert um ca. 15% p.a. zum USD ab, während sie 37% an Zinsen liefert, was eine Rendite von 22% real ermöglicht. Davon bleiben Exporteuren in die Türkei somit rund 20% nach Abzug der Sicherungskosten vs. USD. Für Importeure ist die aktuelle Differenz zwischen Abwertungsrate und Zinsertrag ein lohnendes Investment, das man durchaus auch mit Zinsswaps dauerhaft gestalten sollte.
Kommt es zu einem Kriegsende im Iran, sind sinkende Ölpreise zu erwarten. Dies ist gut für den Rest der Welt und nicht so gut für Russland. Am Ende bluten Kriege aus, entweder im engsten Wortsinne oder zumeist, wenn die wirtschaftliche Basis erodiert. Letzteres ist es, was Putin einen Ausweg suchen lassen wird.




