Ich habe im Editorial der Ausgabe 8 ein Risikoszenario gezeichnet, das umso wahrscheinlicher wird, wie die USA die Straße von Hormuz hemmungslos geschlossen halten. Die Maßnahme ist taktisch nachvollziehbar, macht es doch Sinn, das Regime in Teheran von Geldflüssen durch Ölverkauf abzuhalten.

Das Problem dabei ist, dass das Regime wieder angreifen dürfte, wenn es zu sehr unter Druck gerät, um möglichst viel nach unten mitzureißen und die USA damit doch noch zum Einlenken zu bewegen.

Nun sind bereits mehr als zwei Monate vergangen, obwohl die USA zu Beginn der „Spezialoperation“ getönt hatten, dass nach 4-6 Wochen alles vorbei sei. Es ist aktuell nicht erkennbar, dass es von heute aus in 4-6 Wochen vorbei sein wird und damit steuert die Weltwirtschaft auf eine Klippe zu, über die sie abstürzen könnte.

Abgesehen davon, dass die Lager für Öl nicht voll sind, sind jene für Gas de facto leer. Dies ist vor allem für Europa ein Problem, das seine Vorräte für den Winter auffüllen muss.

Das Problem wird für Asien noch größer als für Europa, weil es in dieser Hinsicht von Lieferungen aus dem arabischen Raum abhängig ist.

Ich rechne damit, dass es über den Sommer zu einem Preisanstieg bei fossilen Brennstoffen kommen wird, der sich aus dem Überbieten der energiehungrigen Volkswirtschaften erklären wird. Dabei werden vor allem Emerging Markets-Länder unter Druck geraten, die auch die ersten sein werden, die unter dem Mangel an Düngemitteln leiden werden, sodass sich aus dem Krieg gegen den Iran auch eine globale Hungersnot ergeben kann.

Für die USA ergibt sich aus dieser Gemengelage eine Gefahrenlage, die womöglich in den Überlegungen ausgeklammert worden war.

Der USD wird (noch) weniger nachgefragt werden

Das außerordentliche Privileg des USD war dadurch begründet, dass die militärische Potenz der USA Gewähr dafür leistete, dass die internationalen Handelswege frei bleiben.

Nun zeigt sich aber, dass günstige Raketen und billige Drohnen ausreichen, milliardenteure amerikanische Marineinfrastruktur zu gefährden, sodass diese als Bedrohungsmittel ausfällt. Damit fällt die Pax Americana in sich zusammen und der Rest der Welt darf sich fragen, welchen Sinn es hat, USD zu halten, wenn man eh nichts damit kaufen kann?

Das bedeutet nicht, dass der USD von heute auf morgen seine Bedeutung verlieren wird, aber es ist ein strukturelles Element, das die Nachfrage nach USD reduzieren wird.

Geringere Nachfrage bei hoher Verschuldung indiziert höhere Zinsen für die USA

Es mutet kurios an, dass einem Scott Bessent die Implikationen nicht ausreichend klar gewesen sein dürften, ist er doch als ausgesprochener Makro-Stratege bekanntgeworden. Es ist gut möglich, dass der nüchterne Blick durch die Einnahme einer Machtposition verschwommener ist, als ohne diese Position.

Für die USA, seine Börsen und die Staatsfinanzen ist die Entwicklung im Iran und die Erkenntnis des Restes der Welt, dass die USA de facto militärisch ohnmächtig sind, eine große Gefahr. Es bringt nichts, USD zu halten, wenn man sich damit keine Sicherheit kaufen kann. Wenn die gewählte Zwischenüberschrift wahr wird, ist eine regelrechte Flucht aus dem USD möglich.

Eine gefährlichere Weltordnung ante portas

Die Kriege in der Ukraine und im Iran zeigen, dass relativ unbedeutende Länder gegen Supermächte bestehen können. Der Mittelaufwand, um sich zu verteidigen, aber auch um Angriffe zu lancieren sinkt deutlich ab und ermöglicht hohe Effizienzen. Ein Hauptproblem der modernen Kriegsführung besteht darin, dass diese zunehmend ohne Menschen stattfinden kann und billig geführt werden kann, ohne dass sich ein Überfallsopfer wirksam gegen Nadelstiche (v.a. bei kritischer Infrastruktur) verteidigen kann.

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