Der „überraschende Krieg“ den die USA und Israel gegen den Iran eröffnet haben, hat in den letzten Tagen nicht nur die Börsen zum Einbrechen gebracht (-8% in zwei Tagen ist dabei nicht einmal sehr stark als Reaktion), vor allem aber den Gaspreis de facto verdoppelt.

Situationen wie diese sind ein sogenanntes Risk-Off. Anleger ziehen sich aus riskanteren Assets zurück und suchen Schutz in sichereren Assets. Dass der USD in Reaktion darauf um knapp 1,7% angestiegen ist und sonst keine Asset-Klasse verschont geblieben ist, ist allerdings doch bemerkenswert.

Der HUF wertete am stärksten ab, von 375 auf 390 EUR/HUF, also knapp 4% in zwei Tagen.

Edelmetallpreise stiegen zunächst (logisch), brachen dann aber stärker ein als die Börsen: Auch logisch: Wenn hohe geleveragede Positionen unter Druck geraten, werden sichere und dabei hochliquide Assets verkauft, um den Schaden zu begrenzen. Das hat Edelmetalle stärker getroffen als die Börsen, weil dort – nach wie vor – nur sehr kleine Beträge investiert sind, während in Aktien aber auch in Anleihen ein ungleich größeres Volumen investiert ist.

Dass auch Anleihenzinsen für längere Laufzeiten angestiegen sind, hat dieselbe Ursache, wie der Preisverfall bei Edelmetallen. Normalerweise sinken Anleihenzinsen bei Börseneinbrüchen, weil Anleger aus Aktien in Anleihen umschichten.

Die Geschehnisse der letzten beiden Tagen zeigen eine Gefahr auf

Wenn sichere Häfen, wie Anleihen und Edelmetalle, unter Druck geraten, wenn die Börsen fallen, ist dies ein klares Signal für erheblichen Stress im Finanzsystem. In den USA allein sind 1.200 Mrd. USD als Kredit aufgenommen worden, um finanzielle Assets zu erwerben. Dies ist ähnlich einem Eisberg nur die Spitze des Volumens, das erkennbar ist. Ein viel größerer Teil, wohl auch x 3-4 ist nicht messbar aber auch gehebelt investiert.

Ich habe vor drei Jahren mein drittes Buch „Peitschenschlagmärkte“ veröffentlicht. Darin habe ich der Erwartung Ausdruck verliehen, dass die geopolitischen Treiber dahin wirken werden, dass Volatilität wieder deutlich zunehmen wird. Für alle jene mit wenig Erfahrung oder wenig historischer Sachkenntnis: Die Volatilität war in den letzten 16 Jahren UNGEWÖHNLICH NIEDRIG, verglichen mit der Periode von 1970-2010.

Die Vola in EUR/USD liegt seit Jahren zwischen 4-7% und lag in der obgenannten Zeitperiode bei 8-15%. Willkommen in der neuen Realität!

Höhere Schwankungen auch bei osteuropäischen Währungen zu erwarten

Schwankungen sind per se nicht böse. Sie zu verschlafen kann aber böse Folgen haben. Um Schwankungen erfolgreich zu bewältigen, bedarf es hoher Aufmerksamkeit und teilweise hohes Reaktionsvermögen. Gute Planung kann dies durchführbar gestalten. Doch keine Planung hält jeder zukünftigen Veränderung stand. Ich bin aus diesem Grund ein Gegner rigider Prozesse. Dies umso mehr, wie Volatilität tendenziell zunehmen und nicht geringer werden wird.

Um einen agilen und langfristig erfolgreichen Ansatz umsetzen zu können, braucht es einige Grundvoraussetzungen:

  • Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen
  • Risikobudgets, die auch strapazierbar sein müssen, wenn es mal nicht ideal läuft
  • Frustrationstoleranz, weil es nur 60-80% richtige Entscheidungen geben wird

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