Die Erhöhung des Drucks auf Europa wegen Grönland wird zu mehr Schwankungen führen

Hätte mir jemand gesagt, dass es denkbar sei, dass die USA sich europäisches Territorium aneignen wollen, und dazu auch massiven wirtschaftlichen Druck auszuüben bereit sind, hätte ich das bis 2016 für unmöglich gehalten. Mit Trump 1 war eine Veränderung im Habitus der USA bereits spürbar, eine Eskalation wie sie nun möglich scheint aber auch noch nicht greifbar. Mit Beginn von Trump 2.0 im letzten Jahr hat die Dynamik in Richtung mehr Stress deutlich zugenommen.

Die Motivation Trumps dahinter als bewussten außenpolitischen Affront wahrzunehmen, fällt mir nach wie vor schwer. Es ist klar, dass Trump und die Republikaner stark unter Druck stehen. Die Umfragen sind 10 Monate vor den Midterms ernüchternd und dies, obwohl die Börsen von Rekord zu Rekord eilen und die Wirtschaft insgesamt brummt.  Die Eile, mit der „Team Trump“ nach innen wie nach außen vorgeht, stößt dabei auf immer mehr Widerstand. Die Einwandererkontrollinstanz „ICE“ und deren hartes Vorgehen begeistert immer weniger Amerikaner.

Ich halte die Rhetorik gegenüber Grönland primär für ein Ablenkungsmanöver für das Wahlvolk, das die eigenen Missstände durch Gegnerschaft zum Ausland in den Hintergrund zu drängen trachtet. Dies wird noch unterstrichen, indem das „vernünftige Gesicht“ der Trump-Regierung, Finanzminister Bessent, die sicherheitspolitische Dimension Grönlands für die USA unterstreicht. Der Finanzminister der USA muss dem Ausland nicht erklären, was der Wunsch der USA ist, nach innen hat dies mehr Strahlkraft. Die kommenden Wochen werden alles andere als einfach zu lesen. Ich rechne mit dem Potential für mehr Schwankungen, die man bewältigen muss. Mehr Schwankungen bedeutet die Notwendigkeit in raschen und dennoch kontrollierten Aktionen handeln zu müssen.


Die Einsicht in die grundlegende Ausgangslage ist eine notwendige Grundlage für Entscheidungen und erlaubt planvolle Maßnahmen:

  • Der USD ist historisch gesehen überteuert, gut 25% zum DXY, 20% zum Euro und rund 15% zum Rest der Welt
  • Die Neuverschuldung der USA ist wichtig für das „unerschütterliche“ Wirtschaftswachstum der USA, aber zunehmend unfinanzierbar, umso stärker wird das Verlangen, das Ausland zur Kassa zu bitten
  • Der Druck nach außen schafft nicht nur Unsicherheit, sondern zunehmend Opposition, dies umso mehr wie „befreundete Staaten“ attackiert werden
  • Der Anstieg der Metallpreise und der massive Anstieg der Edelmetallpreise deuten auf einen Wechsel hin zu höheren Rohstoffpreisen, was in der Vergangenheit tiefere USD-Notierungen mit sich brachte – je mehr Staaten um strategische Ressourcen und Reserven wetteifern, desto teurer werden die Metalle werden. Verstärkte Rüstungs- und Infrastrukturinvestitionen werden diese Entwicklung hin zu höheren Rohstoffpreisen verstärken

Die Konkretisierung, wann genau in der Zukunft etwas geschehen wird, ist nicht möglich. Die Analyse, was wahrscheinlicher geschehen wird, ist allerdings möglich. Daher kann man die Auswirkungen auf das Ergebnis begrenzen, indem man sachgerecht auf einschätzbare Entwicklungen in der Zukunft reagiert. Dazu braucht es jederzeitiges Bewusstsein über die grundlegenden längerfristigen Parameter und geübte Erfahrung bei der Reaktion.  

Vorbereitung ist „die halbe Miete“, ein stabiles Ergebnis ist als Folge solcher Handlungen weniger von Glück und Zufall abhängig, sondern Ergebnis solider Grundlagenarbeit und Exekution.

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