Den Friedensnobelpreis hat Donald Trump nun komplett erledigt und es ist offenkundig: Die USA pfeifen auf die Ordnung, die sie in den letzten 70 Jahren im Wesentlichen selbst aufgebaut haben. Völkerrecht und Regelbasiertheit weichen Machtstreben und der Sicherung von Einflusssphären und Rohstoffen.

Der Angriff auf Einrichtungen des Militärs in Venezuela ist definitiv völkerrechtswidrig erfolgt, die Entführung des Präsidenten Maduro und seiner Frau (was genau hat sie angestellt, als verheiratet zu sein?) ist ein präzedenzloser Fall, wie ich ihn überhaupt noch nicht geschichtlich wahrgenommen habe (vielleicht war der Raub der Sabinerinnen ähnlich, oder manches, was Kolonialmächte sich erlaubt haben). In den letzten 80 Jahren wurde zwar der eine oder andere Tyrann gestürzt, noch nie aber entführt und in die USA verschleppt.

Für Europa ist dies ein letzter Weckruf

„Ein letzter Weckruf vor allem weil Donalds Trump zuletzt auch Grönland als strategisch wichtig für die USA bezeichnete. Wer soll die stärkste Armee der Welt aufhalten?

Die Verachtung, die die Amerikaner für die EU und ihre Mitgliedstaaten empfinden und ausdrücken, ist zwar nicht berechtigt, aber aus deren Perspektive nachvollziehbar. Europa ist zu schwach, um den USA Paroli bieten zu können. Wir tun uns schon schwer mit Russland. Aber vielleicht ist die Vorgehensweise ein Weckruf für Orban und Konsorten, die denken, dass eine fragmentierte EU ein besserer Ort ist. Die EU muss sich nun endgültig aufraffen, sich zusammenzuraufen oder unterzugehen. Mit gravierenden Folgen für Freiheiten und Wohlstand in Europa, die durch die Schwächung der Einzelstaaten folgen würden.

Die nahe Zukunft ist für die Marktteilnehmer wohl nicht beunruhigend. Sieht man vom Anstieg der Edelmetallpreise ab, die im Gefolge der Attacke auf Venezuela stark anziehen, sind die Marktreaktionen schwach.

Die Börsen ignorieren den Angriff auf Venezuela

Ich denke, die Ignoranz ist berechtigt. Es ist noch überhaupt nicht klar, ob es dazu kurz- oder mittelfristig Reaktionen aus China oder Russland geben wird.

Die Proteste aus Brasilien sind relativ lautstark, wohl auch weil man Sorge hat, die USA könnten ganz Lateinamerika als ihre Einflusszone vereinnahmen wollen. Sollte es in diese Richtung gehen, kommen erheblich Belastungen auf Lateinamerika zu. Diese können sich in der Folge auch auf den Rest der Welt auswirken.

Was bedeutet das für den USD?

Es ist nicht zu erwarten, dass es kurzfristig zu Belastungen für den USD kommen wird. Dazu reicht der Anlass nicht aus. Die grundsätzliche Situation der hohen Verschuldung und dem daraus folgenden weiteren Anstiegs des Zinsenaufwands, der auch 2026 weiter steigen wird, wird es erforderlich machen, dass die FED die Zinsen in diesem Jahr deutlicher senken wird als es gerechtfertigt ist, wenn man die Inflationsentwicklung betrachtet.

Im Zweifel hat sich die FED auch in der Vergangenheit der Staatsräson gebeugt. Die Tatsache, dass die USA schon seit Jahren immer mehr auf kurzfristige Refinanzierung setzte und daran wohl festhalten wird, bewirkt, dass Zinssenkungen durch die FED den Anstieg der Zinsbelastung des Staates begrenzen. Wenn Trump einen genehmen neuen Notenbankpräsidenten nominiert, ist womöglich ein Startschuss für eine weitere USD-Schwächewelle zu erwarten. Die Machtpolitik der USA kann langfristig Dinge verändern, kurzfristig betrachte ich sie als Belastung für den USD.

Ich wünsche einen guten Start ins Neue Jahr.

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