2026 begann turbulent – dies hat Folgen
Wenn es noch einer Bestätigung bedurft hätte, dass die USA keine Partner erkennen kann, sondern bestenfalls unterwürfige Vasallenstaaten, wurde man mit der Forderung nach Übergabe Grönlands jäh aufgeweckt.
Es ist frappant, wie grob Trump mit den Europäern umspringen musste, bis sich so etwas wie klarer Widerstand bildete, der auch ins rechte Eck der europäischen Politik ausstrahlte, das bis anhin Maga-Sympathien äußerte.
Europa ist in vielerlei Hinsicht abhängig von den USA und seinen Unternehmen (Hyperscaler). Es scheint aussichtslos, daran zu denken, diese Abhängigkeit lösen zu können oder zumindest in befriedigender Weise lindern zu können.
Wir können uns kaum vorstellen auf, Microsoft, Amazon, Google oder auch Whatsapp verzichten zu können.
Aber auch daran wird zu denken sein.
Großbritannien denkt über verbesserte Handelsbeziehungen mit China nach
Dies schien vor einem halben Jahr noch sehr unwahrscheinlich. Der Druck der Administration Trump sorgt für ungewöhnliche Entwicklungen. Schlussendlich, sind die globalen Herausforderungen nicht lösbar, wenn sich starre Blöcke bilden.
PM-Mark Carney positioniert Kanada neu und offen
Auch Kanada sieht die USA nicht mehr als zuverlässigen und unverbrüchlichen Partner. Es ist offenkundig, dass Kanada viel zu bieten hat, Rohstoffe und Energie, aber auch Industrie und einen Markt, der auch für andere Länder interessant ist. Die Zusammenarbeit mit Südkorea in der Autoproduktion und der Kauf von U-Booten von Südkorea sprechen Bände darüber, wie sehr sich die Beziehung zu den USA abgekühlt hat.
Der Schaden durch Trump wird schwer zu reparieren sein – wenn je
Die USA, als Hegemon der Welt, sind in der unerquicklichen Lage, dass ihre finanziellen Mittel weitgehend erschöpft sind. Nun müsste es daran gehen, die eigene Bevölkerung zu schröpfen, die reich ist und die Schieflage des Staates leicht tragen könnte. Dies ist einer „demokratischen Regierung“ nicht zumutbar, die Abwahl ist spätestens nach zwei Jahren gewiss. So vergiftet die Stimmung zwischen Demokraten und Republikanern ist (und sich aktuell weiter steigert) ist es fast ausgeschlossen, dass ein nationaler Schulterschluss zur Sanierung des Landes stattfindet, der es immer noch ermöglichen würde, die Stellung als Hegemon im Vordergrund zu sehen.
Es ist viel leichter, Druck auf das Ausland und seine Vasallen auszuüben. Die Einführung der Zölle erinnert mich sehr stark an den Zehnten, den die mittelalterlichen Adeligen von ihren Untertanen forderten, wofür es ein Schutzversprechen gab (wenn auch nicht vor einem selbst). Im Unterschied zum Mittelalter, sind wir heute nicht ungebildet, noch glauben wir an eine gottgewollte Ordnung, die die USA über uns stellt. Ich halte das Verhalten der Amerikaner für nicht veränderbar, weil sie keinen nationalen Schulterschluss schaffen, solange sie nicht massiv unter Druck geraten. Dies wäre leicht machbar, wie es ein Analyste der Deutschen Bank auch formulierte (mit negativen Folgen für die Deutsche Bank), dass es leicht sei die USA zu disziplinieren, indem man US-Aktien und US-Anleihen auf den Markt wirft. Unser einziger Trost mag sein, dass den USA durchaus bewusst ist, dass der Analyst völlig richtig liegt. Die USA sind in einer Ausgangposition, die an Argentinien 2001 erinnert. Sie hat lediglich den Vorteil, dass sie in ihrer eigenen Währung verschuldet ist. Die USA sind aber noch abhängiger vom Ausland, als es Argentinien war. Auch gegenüber Europa ist der Dienstleistungsbilanzüberschuss der USA größer als die Güterhandelsbilanz im Defizit ist. Die Kapitalbilanz der USA (mehr Auslandsvermögen im Inland als umgekehrt) ist mit -100% ein Einfallstor für erhebliche Probleme.




