Kurzfristige Entwicklungen mit schwacher Volatilität bezeichne ich als Lärm. Schwach ist die Volatilität in EUR/USD dann, wenn die Bewegungen des Währungspaares in einem Bereich von +/-3% zu einem Bezugswert verharren. Der Jahresbeginnkurs von EUR/USD lag bei 1,1750 EUR/USD. Der USD wertete im Jänner kurz auf 1,205 EUR/USD ab und stieg mit Kriegsbeginn kurz auf 1,1400 EUR/USD an. Damit erfüllte er die Maximalbandbreite für „Lärm“.

Nun bewegt sich EUR/USD in einer Bandbreite zwischen 1,1450 & 1,1600 EUR/USD, was nicht mehr ist als ein leichtes Säuseln.

Ich betone die akustischen Referenzen, weil Geräusche keine eigentliche Ursache haben müssen. Sie passieren und haben keine Folgen, wenn sie innerhalb der Bandbreiten verharren, die ich eingangs aufgezeigt habe. Schwankungen in dieser Bandbreite sind für die Bedürfnisse von Unternehmen irrelevant. Sie haben keine signifikanten Auswirkungen.

Geopolitische Unsicherheit erhöhte die Anforderungen an die Anpassungsgeschwindigkeit

In einer geräuschvollen Phase ist Aktionismus nicht erforderlich, sehr wohl aber das Innehalten und die Vorbereitung auf Geschehnisse, die das Währungspaar aus dem geräuschvollen, aber erträglichen Kanal entfernen könnte.

Es ist im Nachrichtenlärm nicht zu unterscheiden, was das wahrscheinlichste Resultat des Kriegs im Iran ist. Bedeutet der Aufmarsch von Marines, dass eine Bodenoffensive bevorsteht, die nur dann Sinn stiftet, wenn das Regime entfernt wird und damit erheblich mehr Kräfte erfordern wird, als heute vor Ort sind?

Oder bereiten sich die USA auf eine Mission Incomplete vor? Der Aufmarsch unterbleibt nicht, Bodentruppen werden aber primär dazu eingesetzt, die „Verbündeten“ vor Ort zu besänftigen, die sich meines Erachtens zu Recht im Stich gelassen fühlen dürften.

Im Falle einer Bodenoffensive erwarte ich einen starken Anstieg des USD

Dies wäre kein nachhaltig langfristiger Move, aber eine natürliche Reaktion auf eine Eskalation des Kriegs der weitere Zerstörungen von Infrastruktur arabischer Produktionsstätten nach sich zöge und so die Abhängigkeit der Welt von amerikanischer Produktion weiter erhöhen würde.

In diesem Fall ist es heute zu früh ein definitives Kursziel für den USD zu benennen, aber ich denke 1,1100 EUR/USD wäre das Mindeste, was zu erwarten wäre.

Damit käme EUR/USD aus dem Bereich „Lärm“ in die Zone bedeutende Wahrnehmungsverschiebung mit starken Gründen. Eine dauerhafte Unterbrechung der Versorgung mit Öl, Gas, Helium, Aluminium, etc. wäre die Folge. Der Aufschwung der Staaten in Arabien käme für längere Zeit zum Erliegen. Die Finanzierung des jahrelang dauernden Wiederaufbaus könnte für Saudi-Arabien und andere Länder der Region zur Herausforderung werden und Abhängigkeit von US-Banken nach sich ziehen.

Die Kursbewegung des USD könnte deutlich mehr Dynamik entfalten, als wir diese mit Einsetzen des Krieges erlebt haben, als der USD ausgehend von 1,18 auf nun 1,1530 gestiegen ist. Angesichts der Dimension des Krieges ist diese Kursbewegung lächerlich gering.

Im Falle von TACO – wird der USD beginnen sich wieder abzuschwächen

Der Krieg gegen den Iran hat bislang bereits rund 50 Mrd. USD gekostet. Geld, das die USA nicht haben und offenkundig die Voraussetzungen schaffen wollen noch sehr viel mehr hinterherzuwerfen. Der Anstieg der langfristigen Zinsen ist für die USA deutlich schmerzvoller als für andere Länder, wo dies auch geschieht. Zum einen, weil die Verschuldung der USA gemessen am BIP fast doppelt so hoch ist wie jene Deutschlands, aber auch weil die US-Zinsen dazu noch um 30% höher sind als in Deutschland.

Angesichts der Tatsache, dass der USD relativer Profiteur der länger währenden Schwäche der Versorgung mit Öl und Gas sein wird, wird seine Abwärtsneigung wieder beginnen und den USD bis Jahresende auf 1,25-1,30 EUR/USD sinken lassen.

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