Die Empörung in Lateinamerika ist nicht allzu laut. Brasilien und Mexiko haben offiziell Protest eingelegt, im Grunde aber Ruhe bewahrt. Es ist nicht denkbar, dass die USA eine Maßnahme wie in Venezuela flächendeckend durchführen kann, es ist aber nicht ausgeschlossen, dass es vereinzelt wiederholt wird. Jene Regierungschefs, die das für sich nicht auszuschließen vermögen, werden dafür Sorge tragen, dass die Sicherheitsvorkehrungen maximiert werden, um die persönliche Integrität nicht zu gefährden.
Kurzfristig verunsichert und verängstigt ist der Coup in Venezuela sicherlich. Mittel- und längerfristig werden die USA dadurch zunehmend als Bedrohung wahrgenommen, selbst für „befreundete“ Staaten, denen die US-Führung nicht ohne weiteres Drogenhandel in die Schuhe schieben kann.
Es reicht scheinbar schon das Bedürfnis der USA nach Zugang zu strategischen Rohstoffen, um eine militärische Intervention zu rechtfertigen. Die wiederholten Begehrlichkeiten der USA, was Dänemark betrifft, sind ein Beleg dafür, wie schwierig der wankende Riese für den Rest der Welt wird.
Wirtschaftlich sieht es gut aus für Lateinamerika
Steigende Preise für Kupfer und Aluminium und viele andere Rohstoffe, die neben Energieträgern in Lateinamerika gewonnen werden, sorgen für bessere Unternehmensgewinne und Steuereinnahmen.
Die Inflationsraten sind deutlich zurückgegangen und können zu weiteren Zinssenkungen führen, wobei ich besonders optimistisch für Brasilien bin, dessen Zinsen fast 10% über der Inflationsrate liegen und die wirtschaftliche Entwicklung dadurch behindern. Die BCB (Banco Central do Brasil) sieht die politischen Begehrlichkeiten kritisch und sucht diese darin zu behindern, die Verschuldung noch weiter zu steigern.
Auch in Chile stehen die Zeichen für eine wirtschaftliche Erholung, nachdem ein wirtschaftsfreundlicher Präsident ein klares Mandat der Bevölkerung erhalten hat.
Die Investitionen in die Infrastruktur, Datencenter, Stromleitungen und Technologie erfordern Unmengen an Metallen, die zu einem guten Teil in Lateinamerika gefördert werden. Dies führt zu steigenden Preisen und Margen, weil die Kapazitäten durch die Rohstoffpreisrezession der letzten 13 Jahre nicht gesteigert wurden, sondern im Gegenteil abschmolzen, weil einige Minen sich dem Ende ihres Lebenszyklus nähern. Die Nachfrage ist in den letzten beiden Jahren noch schneller gestiegen, als vor drei Jahren erwartet, sodass es bereits für 2026 zu wirklich physischer Knappheit kommen wird. Das sind schlechte Aussichten für Unternehmen im Rest der Welt, die diese Rohstoffe benötigen. Es sind auch schlechte Aussichten für die Entwicklung der Inflation in den kommenden Jahren.
Politisches Zusammenrücken in Lateinamerika – auch mit Europa?
Die außenpolitische Aggressivität der USA wird die lateinamerikanischen Staaten näher zusammenrücken lassen und auch ihre Haltung zu China überdenken lassen, dass für alle lateinamerikanischen Staaten ein wichtiger Abnehmer und Investor ist. Es gilt für Lateinamerika wie für Europa, dass Einigkeit gegenüber den USA mehr Chancen birgt, nicht überrollt zu werden, als wenn das jede Partikulareinheit allein versuchen würde.
Der Vertrag EU & Mercosur könnte durch die Attacke der USA doch noch eine positive Wende nehmen können. Beide Blöcke können eine verbesserte wirtschaftliche Verbindung brauchen.
Ausblick für Emerging Markets Währungen
Die Inflation in fast allen EM ist deutlich gesunken und liegt nun deutlich unter dem Zinsniveau, was flächendeckend zu sinkenden Zinsen führen sollte, was wiederum die wirtschaftliche Aktivität in diesen Ländern und steigende Anleihenkurse in den betroffenen Währungen mit sich bringt, was wiederum internationales Kapital anzieht, das sich an diesen Entwicklungen beteiligen will. Ich gehe daher von steigenden Kursen der EM-Währungen vs. USD aus. Gegenüber dem Euro könnte dies verhalten oder ganz ausfallen, wenn sich der USD auch zum Euro abschwächt – was ich erwarte.
Ich wünsche eine interessante Lektüre und ein Gutes Neues Jahr.




