Das Wirtschaftswachstum in Asien ist nach wie vor stark und erhöht sich in seiner Dynamik. Das stärkste Wachstum verzeichnen Vietnam und Indien mit je über 8%. Aber auch Singapur und Malaysia wachsen über 6%. Am Ende der Liste stehen Thailand und Südkorea, wo das Wachstum immerhin stabil ist oder Aufwärtstendenz zeigt. Diese Märkte sind aber auch deutlich entwickelter als die vorgenannten, was per se einen geringeren Multiplikator für künftiges Wachstum ergibt.

Es ist kein Wunder, dass auch die Börsen dieser Länder in diesem Jahr neuerlich die Indizes in den USA, aber auch jene Europas outperformen. Dies bedeutet, dass weniger Kapital aus Asien an westliche Börsen abfließt und wohl auch, dass mehr Geld aus den USA und Europa nach Asien fließt. Diese Portfolioströme sind gerade erst am Beginn der Ausweitung, führen aber dazu, dass die Währungen Asiens gegenüber dem USD stärker werden und dabei zeitweise auch zum Euro steigen.

Die Abwärtsentwicklung im USD hat im Jänner kurz an Dynamik gewonnen und zuletzt wieder ein ruhigeres Fahrwasser zum Euro erreicht. Nimmt der Euro seine Aufwärtsbewegung wieder auf, würde er auch gegenüber den asiatischen Währungen mehrheitlich fest tendieren. Ausnahmen erwarte ich gegenüber dem JPY und dem KRW, die beide noch deutlich stärker unterbewertet sind als der Euro. Sowohl der Yen als auch in seinem Fahrwasser der Won, sollten in den kommenden beiden Jahren die stärksten Währungen sein. Erst wenn die Bewegung dieser beiden Währungen nach oben zeigt, ist die nächste stärkere Abwertung des USD zu erwarten. Japan ist der größte Kapitalgeber der Welt. Nach vierzig Jahren Kapitalexport wegen zu niedriger Zinsen in Japan und einer schlechten Corporate Governance der japanischen Unternehmen haben die Entwicklungen der letzten Jahre einen deutlichen Wandel mit sich gebracht.

Japan weist heute ein Zinsniveau auf, das in etwa auf jenem Deutschlands liegt. Für japanische Pensionskassen stellt sich die Frage, welchen Sinn es macht, im Ausland Geld anzulegen und dafür Währungsrisiken in Kauf zu nehmen. Fundamentale Entscheidungen von einer Größenordnung von 100% des japanischen BIP werden nicht von heute auf morgen getroffen. Kommt der Stein aber ins Rollen, können die Folgen enorm sein. Für starke Bewegungen reicht es schon, wenn tatsächlich 10-20% des im Ausland angelegten Volumens nach Japan zurückfließen. Und das ist absolut möglich, weil nicht alle japanischen Geldgeber risikoaffin sind oder besonderes Geschick im Derivatehandel aufweisen.

Indien wächst weiter, die Börse wird aber weiter belastend wirken

Indien ist ein gutes Beispiel dafür, wie wenig eine positive Zinsdifferenz vs. deutlich gesunkener Inflation hilft, wenn es zu Portfolioabflüssen kommt. Indiens Börsen haben in den letzten beiden Jahren nicht mehr glänzen können und sind dabei immer noch hoch bewertet.

Ich gehe allerdings davon aus, dass die positive realwirtschaftliche Entwicklung im Verbund mit der aktuell unterbewerteten INR dazu führt, dass Anleiheninvestoren ihre Zurückhaltung aufgeben und in dem zunehmend breiten und diversifizierten (nach Sektoren und Branchen) Anleihenmarkt Indiens investieren, was zumindest gegenüber dem USD zu einer Stabilisierung der Währung beitragen sollte. Die hohe Korrelation der INR zum USD wird sich bei USD-Schwäche aber weiter durch Schwäche zum Euro auswirken. Statt die INR teuer direkt zu hedgen empfiehlt es sich das intrinsische Restrisiko durch einen Makrohedge über EUR/USD kostengünstiger abzubilden.

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